Heidi
Wohngeschichten
„Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt, weil ich in einer Gemeinschaft wohne und meine Freunde um mich habe.“
Heidi Schmidt (82)
Als ehemalige Flugzeugschlosserin und Mitarbeiterin in der Leipziger Baumwollspinnerei blickt die gebürtige Leipzigerin Heidi Schmidt (82) auf glückliche und erfüllte Jahre als Ehefrau, Mutter und auch Großmutter zurück. Doch die zehn Enkel blieben nicht in Leipzig, ihre Kinder sind deutschlandweit verstreut Zuhause und ihr Mann verstarb vor einiger Zeit. Alleinbleiben kam für die lebensfrohe Seniorin nicht in Frage. Mit zunehmendem Alter fiel es Heidi immer schwerer, ihre Wohnung im dritten Obergeschoss zu erreichen. Sie entschied sich in weiser Voraussicht diese aufzugeben und November 2019 einen Neuanfang in der betreuten Gemeinschaft der Volkssolidarität „Forum Leipzig-Lindenau“ zu starten. Besonders die vertraute Umgebung im Leipziger Westen sowie die Nähe zu ihren liebsten Freunden und zum Karl-Heine-Kanal erleichterten ihr die Eingewöhnung. Schließlich spaziert Heidi jeden Tag 10.000 Schritte durch die Natur und hält sich fit – ihre Zufriedenheit und Fröhlichkeit ist mehr als ansteckend.
Redaktion: Liebe Heidi, wie wichtig ist es dir, dass die betreute Wohnanlage in deiner jetzigen Wohnung in einer bekannten Umgebung liegt?
Heidi: „Das ist mir sehr wichtig, denn meine Freunde wohnen alle in dieser Gegend. Ich kannte auch die Wohnanlage bereits, denn ich bin in der Volkssolidarität ehrenamtliche Volkshelferin und habe alle Wohnungen in diesem Komplex schon gesehen. In der Wohnung, in der ich jetzt wohne, wohnte bereits eine Freundin von mir. Die Garderobe habe ich von ihr zu meinem Einzug geschenkt bekommen. Zudem sind meine Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Sparkasse und die Post alle in der Nähe. Auch mit Straßenbahn, S- Bahn und Bus bin ich vertraut. Deswegen bin ich überhaupt auf die Idee gekommen hierher zu ziehen.“
Redaktion: Was sind die Vorzüge der betreuten Wohnanlage und speziell deiner Wohnung?
Heidi: „Für mich gibt es sehr viele Vorzüge, die ich genieße. Noch brauche ich den Fahrstuhl nicht – außer, wenn ich einkaufen gehe. Dann fahre ich den Einkaufswagen über den Flur bis vor die Haustür und bringe ihn anschließend wieder weg. Das ich mich nicht verwöhne, habe ich mir zum Prinzip gemacht. Alle täglichen Wege kann ich wie gewohnt erledigen. Selbst, wenn es mir mal schlechter gehen sollte, ist alles in der Anlage fußläufig zu erreichen. Ich mag es sehr, dass die Wohnanlage im Grünen liegt und nah zum Kanal gelegen ist. Das ist auch meine Rennstrecke, denn 10.000 Schritte muss ich jeden Tag gehen. Im Februar 2022 bin ich zum Beispiel 165 Kilometer gelaufen. Ich bin ein Naturmensch. Draußen zu sein ist meine Welt. Ich bin unabhängig und brauche keins meiner Kinder in Anspruch zu nehmen. Die Wohnung ist so ausgestattet, dass ich allein zurechtkomme aber trotzdem meine alten Einrichtungsgegenstände und Erinnerungsstücke mitnehmen konnte. Besonders gut gefällt mir der große Balkon, der zur Ostseite ausgerichtet ist. So habe ich die Morgensonne im Gesicht, während ich meinen Balkon bepflanze und in den Garten blicke. Ich habe die organisierten Angebote der Volkssolidarität wie Impf-Aktionen und Konzerte des Gewandhaus- Orchesters oder des Kindergartens von nebenan sehr genossen. Auch auf dem Korridor wird immer ein Wort gewechselt. Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, dass ich alle, die in meinem Alter sind und auf der Saalfelder Straße laufen, grüße. Schließlich weiß man nie, wer in unserer Anlage wohnt.“
Redaktion: War es für dich ein schwieriger Schritt, dich im betreuten Wohnen anzumelden?
Heidi: „Meine Kinder waren ein wenig geschockt, weil auch sie betreutes Wohnen mit einem Seniorenheim gleichsetzen. Dabei habe ich meine eigene Wohnung und kann Kommen und Gehen wie ich möchte. Ich habe weder mein altes Leben, meine Unabhängigkeit, noch meinen Kontakt zur Außenwelt abgegeben. Es geht nur darum, im Falle des Falles Hilfe zu bekommen. Ich habe daher freiwillig meinen Wohnungsschlüssel abgegeben, denn es kann ja tatsächlich mal etwas passieren. Nach Rücksprache mit den Verwandten kann dann die Volkssolidarität auch vorbeikommen. Ich habe alles, was ich will.“